Gesundheitspsychologin

Somatic Experiencing (SE)®

Somatic Experiencing (SE)® ist ein körperorientiertes Verfahren zur Lösung von traumatischem Stress. Hierbei wird das Trauma behutsam betrachtet und die noch festgehaltene Ladung kann sich Schritt für Schritt aus dem System lösen. Es wird davon ausgegangen, dass eine Dysregulation des Nervensystems vorliegt. Als Ursache hierfür werden die nicht abgeschlossene Flucht- und Kampfhandlungen, welche bei dem traumatischen Ereignis nicht erfolgen konnten, genannt. Auf Grund des Schocks wurden diese eingefroren.

Der Klient*in lernt seine Selbstwahrnehmung zu reflektieren. Hierbei ist das Ziel die extremen körperlichen Empfindungen und Gefühle, welche bei aufkommenden Triggern entstehen können, selbstständig zu regulieren. Dies findet erst gemeinsam statt und anschließend übt der Klient*in dies in seinem Alltag allein. Auch spielt die Selbstannahme bei dem Verfahren eine Rolle. Die Selbstregulation wird eigentlich in der Kindheit mit Hilfe der Eltern erlernt. Wenn dies nicht ausreichend geschah, kann dies auch im Erwachsenenalter nachgeholt werden.

Wie groß die Brandbreite an Symptomen sein kann, wird erst verstanden, wenn klar wird, dass es sich um Anpassungsstrategien und kompensatorische Bewältigung handelt. Dies können z.B. innere Unruhe, emotionale Schwankungen, Panikattacken, depressive Verstimmungen, Schlafstörungen, Hypersensibilität, kaum oder nicht vorhandene Körperwahrnehmung, Angst vor Nähe und gleichzeitig große Sehnsucht danach und viele andere psychische wie auch körperliche Beschwerden sein. Die Grundlage hiervon ist die fehlende Regulationsfähigkeit, welche auf Grund von traumatischen Beziehungserfahrungen oder einzelner Traumatisierungen nicht gelernt werden konnte. Traumatisierte nehmen die Umwelt als dauerhaft gefährlich wahr und erfahren somit Unsicherheit. Auch sich selbst gegenüber erfahren sie wenig Sicherheit, da die eigenen Impulse und Affekte nur mit Einschränkungen steuerbar sind. Weiter gibt es oftmals bei der Diagnostizierung Schwierigkeiten auf Grund der Vielzahl an Symptomen. Bis Betroffene eine traumorientierte Therapie beginnen können, wurden zuvor oftmals viele Arztbesuche getätigt. In einer nicht auf Trauma fokussierten Psychotherapie werden meist nicht die gewünschten Ziele erreicht, weil die herkömmlichen Therapiemodelle auf Traumatisierungen nicht ausgelegt sind.

Es wird unter folgenden Traumata unterschieden
Durch einen Verkehrsunfall, einen Überfall oder ähnliches kann ein Schocktrauma verursacht werden. Hierbei findet ein einmaliges abgrenzbares Erlebnis statt. Von einem Entwicklungstrauma wird gesprochen, wenn in früher Kindheit ein Erlebnis stattfand, welches die Entwicklung stark beeinträchtigte. Ein Bindungstrauma kann in der Kindheit durch eine Bezugsperson verursacht werden. Das Kind erlebt hierbei einen inneren Konflikt zur Bezugsperson, welcher beispielsweise durch körperlichen oder emotionalen Missbrauch oder Vernachlässigung entstanden ist. Oftmals ist dies ein jahrelanger Prozess. Ein weiteres Trauma ist ein Beziehungstrauma, welches von Menschen ausgelöst werden können, welche keine Bezugspersonen sind. Beispiele hierfür wären: Beziehungspartner, Lehrer, Geschwister, Vorgesetzte, Kollegen.

* Traumasymptome werden nicht durch das eigentliche Ereignis ausgelöst. Sie entstehen, wenn der Überschuss der im traumatischen Erleben mobilisierten Energie nicht entladen wird. Diese Energie bleibt im Nervensystem gebunden, wo sie verheerende Auswirkungen auf Körper und Geist haben kann.  - Dr. Peter A. Levine  *